Juni 10, 2026

Wenn die Ahrweiler Seele frohlockt

Von einem Mitgliedsantrag, Jubilaren uns ganz viel Dankbarkeit

Ahrweiler. „Zu sehen, mit wie viel Herzblut Tradition und Brauchtum gepflegt werden, erfüllt mich mit großer Wertschätzung. Wenn Menschen zusammenkommen, um ihren Glauben, ihre Werte und ihre Verbundenheit zur Heimat sichtbar zu leben, entsteht immer etwas ganz Besonderes. Ein Tag der nachwirkt – Gänsehautgefühl.“ So sah ein Außenstehender Fronleichnam und das Ahrweiler Schützenfest.  Für Pascal Rowald waren Prozession und Festkommers der Bürgerschützen eine Premiere, etwas absolut Neues – und auch Überzeugendes, denn der designierte Bürgermeister der Kreisstadt will kein Außenstehender mehr sein. Noch beim Kommers unterschrieb er vor vollem Festsaal des Helmut-Gies-Bürgerzentrums den Mitgliedsantrag für die Bürgerschützen. Und stimmte auch in den Chor der Schützenlieder ein, die zu dessen Finale Zeugnis der Ahrweiler Seele waren.

Für Bürgerschützenkönig Dieter Zimmermann standen die Jubilare im Mittelpunkt. „Wenn Menschen 25, 40, 50, 60 oder gar 65 Jahre einer Gesellschaft treu bleiben und mehrere Generationen der gleichen Familien Mitglied bei uns sind und werden dann ist das der beste Beleg dafür, dass das ‚Betriebsklima‘ intakt ist“ sagte die Majestät und nahm mit Hauptmann Jürgen Knieps sowie  Mitgliedern des Verwaltungsrates auf der Bühne die Ehrung der treuen Schützenbrüder vor: Markus Braun, Rainer Knieps und Gregor Terporten traten vor 25 Jahren in das  Tambourcorps der Gesellschaft ein, Dr. Rainer Friedrich und Frank Schröder in das Leutnantsglied. Dominik Klein und Erik Mies wählten vor 25 Jahren das Jägercorps und Thomas Kleinteich, Winfried Ley und Horst Louis das Oberleutnantsglied als ihren Schützenzug. Dr. Reinhard Petrik und Hubert Rieck zählen ebenfalls seit 25 Jahren zum Königsglied. Die Gesellschaftsmedaille erhielten drei neue Bürgerschützen: Patrick Adenäuer wurde in das Hauptmannsglied aufgenommen, Leon Bünnagel trat dem Leutnantsglied bei und Nico Wahler verstärkt das Fähnrichsglied.

Und auch für Hauptmann Jürgen Knieps war es ein besonderes Fronleichnamsfest. Sieben Jahre nach Corona und fünf Jahre nach der Flut konnte der Festgottesdienst wieder in Sankt Laurentius gefeiert werden. „Dieser Fronleichnamstag steht daher für mich ganz im Zeichen der Dankbarkeit, dass wir wieder zurückgekehrt sind, zu dem, was uns so wertvoll ist“, sagte Knieps, der durch den von der Aloisius-Jugend musikalisch eröffneten Nachmittag führte.

Knieps dankte aber auch Ex-Bürgermeister Guido Orthen, seit dem 18. Mai Landtagsabgeordneter in Mainz, und dem zum Jahresende aus dem Amt scheidenden Stadt-Vize Peter Diewald: „Gerade die letzten fast fünf Jahre des Wiederaufbaus haben von euch Unglaubliches abverlangt. Und wenn wir heute durch unsere Stadt gehen, erleben wir, dass dies an vielen Stellen gelungen ist. Unsere Stadt ist, auch wenn noch vieles zu bewältigen ist, was wir vielleicht nicht alle sehen, wieder lebenswert, für uns, die wir hier leben und für die, die als Gäste wieder unsere Stadt füllen.“

Lebenswert war denn auch nach dem Kommers und dem Umzug durch die Stadt das Schlagwort in den Quartieren der Schützenzüge. Da störte kein Regen. Dieser vermasselte den Schützen lediglich am zweiten Festtag die abendliche Parade. So fing der traditionelle Festabend mit Damen halt eine Stunde früher an.  – Kein Problem, denn das Unterleutnantsglied um Andreas Winkelmann hatte als Arbeitszug  bereits am Morgen das Bürgerzentrum für den Ball  hergerichtet. Und im nächsten Jahr darf dann der neue Schützenbruder Pascal auch mittanzen.  
Text: Günther Schmitt
Foto: Matthias Becker

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